Die Broschüre Nachwuchsförderung ist online

Die Nachwuchsgewinnung ist eines der brennenden Themen in der Erwachsenenbildung. Nicht nur auf die gewerkschaftspolitische Bildung bezogen, sondern über die
Trägerlandschaft aller Bundesländer hinweg. Dies gilt nicht nur aus Perspektive der Seminarleitungen und deren natürliches Ende qua Alter, wenn nicht junge Menschen
nachkommen und deren Stelle einnehmen, sondern insbesondere auch aus Perspektive der Teilnehmenden. Eine „Verjüngung“ der Bildungsangebote im Sinne eines Peer-to-Peer-Effektes trägt ferner zu einer Erhöhung der Teilnahmequote bei. Das heißt, wenn junge Menschen Seminare im Rahmen des Bildungsurlaubs als Teamende durchführen, stellt sich hier mutmaßlich auch mittel- und langfristig eine Verjüngung der Teilnehmenden ein. Zieht man die Statistiken zu Bildungsurlaubsteilnehmenden zu Rate, ist deutlich wahrnehmbar, dass Bildungsurlaub ist ein Format der Erwachsenenbildung, dass hauptsächlich von Menschen aus der Altersgruppe der über 40jährigen in Anspruch genommen wird. Weiterhin kann festgestellt werden, dass innerhalb des Feldes der politischen Bildung die Zahl der Teilnehmenden an Bildungsveranstaltungen geringer als in der beruflichen Weiterbildung ist.

Für das ver.di Bildungswerk Hessen e.V. ist angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen das äußerst dringliche Ziel des Programms, möglichst junge Menschen über
die Bildungsarbeit aktiv in ver.di einzubinden. Die Funktion und Rolle von Gewerkschaften ist seit Jahrzehnten, als in die Gesellschaft integrierende Kraft, abnehmend.
Diesem Trend wird versucht auf politischer Ebene entgegenzuwirken. Hinsichtlich der Bildungsarbeit stellt sich für Träger in der Erwachsenenbildungslandschaft eine besondere Herausforderung. Lebenslanges Lernen beschränkt sich nicht nur auf die, die es sich leisten können weil sie beruflich und im Betrieb fest im Sattel sitzen, sondern muss auch für jene zugänglich sein, die es sich nicht unbedingt leisten können. Ein Weg diese Menschen zu erreichen, findet über lebensweltlich nahe Themen, eine besondere methodische Herangehensweise sowie einen für Menschen unter 40 Jahren attraktiven vielfältigen medialen Einsatz statt. Soweit die Vorannahme aus Perspektive von Bildungsurlaubsteilnehmenden.

Aus der Perspektive von Teamendenarbeitskreisen innerhalb der politischen Bildung wird der große Altersunterschied – um nicht zu sagen gap – deutlich. Es wachsen immer weniger Menschen in die Rolle von Teamenden in der Erwachsenenbildung hinein. Zwei Fragen, die sich für das ver.di Bildungswerk Hessen e.V. stellte: Wie erreichen wir junge Menschen mit Erfahrungen in der Erwachsenenbildung und wie können wir sie für die politische Bildung begeistern? Natürlich gibt es bestehende und in sich geschlossene Programme der Qualifizierung. Diese bieten aus unserer Erfahrung jedoch nicht die Integrationsmöglichkeiten, die es für die Lebensentwürfe und das flexible Leben der jungen Menschen braucht. Die Ergebnisse der Diagnose von zunehmend flexiblen Lebensläufen junger Menschen und die bevorstehende Rushhour des Lebens,sollten unserer Meinung nach in die Planung von Bildungsqualifikationen eingebracht werden, sowie Integration in den Teamendenarbeitskreis erfahren.

Diese geschilderten Probleme wollte das ver.di Bildungswerk Hessen e.V. nicht weiter ignorieren, sondern proaktiv angehen. Maßgeblich dafür waren natürlich Formatüberlegungen entscheidend. Die Fragestellungen die uns dazu bewegten: Wie ist es möglich junge Menschen für die Erwachsenenbildung zu gewinnen und auch langfristig zu binden? Welches Maß an Verbindlichkeit und gleichzeitiger Flexibilität galt es zu berücksichtigen? Von Beginn an klar war hingegen, dass wir praxisnahe Einblicke in die Bildungsarbeit gewährleisten und einen Erfahrungsaustausch zwischen Generationen ermöglichen wollen. Dabei aber nicht nur die Richtung von alt nach jung verfolgend, sondern einen bidirektionalen Austauschraum schaffend, um so Anschlussmöglichkeiten an bestehende Themenfelder und Seminare zu ermöglichen und gleichzeitig, um eine neue Perspektive zu erweitern. Das grundlegende Motto dabei: junge Menschen in bestehende Arbeitskreise integrieren ohne eine der beiden Seiten zu überfordern.

Dem ver.di Bildungswerk Hessen e.V. schien ein Mentoringprojekt genau der richtige Weg, um Wissens- und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe zu ermöglichen und
nicht als immanente Konkurrenz zwischen den „Jungen und Alten“ zu begreifen. So konnten nach Abschluss des Programmes insgesamt 16 Menschen voneinander lernen
und profitieren, neue Teamkonstellationen gebildet und dem Bildungsprogramm des ver.di Bildungswerks eine neue inhaltliche Ausrichtung gegeben werden.
Großer Dank gilt allen Teilnehmenden, sowohl den Mentor*innen, die sich bereit erklärten auf die gemeinsame Reise mit jungen, politisch engagierten Menschen zu
gehen und sie ein Jahr zu begleiten, als auch natürlich den Mentees und deren Bereitschaft sich auf die gesellschaftspolitische Bildung innerhalb eines gewerkschaftlichen
Trägers einzulassen.

Für das Gelingen des Projektes spricht, dass die Mentorings auf informeller Art von allen Seiten weiter fortgesetzt worden sind. In diesem Zusammenhang gilt unser besonderer Dank unseren Referent*innen und im Besonderen Kirsten Lange und Gerd Wisbar, die mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem Engagement maßgeblich zum
Gelingen des Projektes beigetragen haben. Ohne die Vielfalt an methodischem Wissen, Qualifizierungswissen und der Erforderlichkeiten auf die jeweiligen Situationen
die genau richtige Lösung parat zu haben, als auch das breite Organisationswissen, sowohl der Bildungslandschaft innerhalb von ver.di als auch die Strukturen wäre eine
Projektrealisierung kaum möglich gewesen.

Die Projektdokumentation finden Sie hier als Download (Nachwuchsfoerderung Broschüre 2018-2020).

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